Arbeitslosigkeit im Juni 2022: Rechtskreiswechsel sorgt für Anstieg

IHK-Bewertung
Im IHK-Bezirk Frankfurt am Main ist die Zahl der Arbeitslosen im Juni 2022 im Vergleich zum Vormonat gestiegen (+0,8 Prozent). Gegenüber dem Vorjahresmonat lässt sich ein deutlicher Rückgang feststellen. Im Vergleich zum Juni 2021 geht die Arbeitslosigkeit um 13,5 Prozent zurück.
Aktuelle Arbeitsmarktzahlen aus dem IHK-Bezirk


Arbeitslosigkeit Veränderung zum

Arbeitslosenquote¹
in Prozent


Jun
22

Mai
22

Jun
21

Vormonat

Vorjahresmonat
Jun
22

Mai
22

Jun
21

absolut
in Prozent
absolut
in Prozent
FFM
24.345
24.058
28.360
287
1,2
-4.015
-14,2
5,7
5,6
6,6
HTK
4.586
4.674
5.372
-88
-1,9
-786
-14,6
3,8
3,9
4,5
MTK
5.113
5.045
5.629
68
1,3
-516
-9,2
3,9
3,9
4,3
IHK-Bezirk
34.044
33.777
39.361
267
0,8
-5.317
-13,5
6,0
5,0
5,8
¹ bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen
Datenquelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit
Die Arbeitslosenquote im IHK-Bezirk verharrt bei 5,0 Prozent. Vom Vorkrisenwert ist die Arbeitslosenquote noch entfernt, er bleibt jedoch in greifbare Nähe (Februar 2020: 4,6 Prozent). Mut machen die anhaltend starken Rückgänge im Vergleich zu den Vorjahreswerten. Der regionale Rückgang von minus 13,5 Prozent gegenüber dem Juni 2021 liegt über dem Landesdurchschnitt (-10,5 Prozent) und oberhalb des Bundesdurchschnitts (-9,6 Prozent). Innerhalb des IHK-Bezirks liegen die Arbeitslosenquoten in den beiden Landkreisen Hochtaunuskreis und Main-Taunus-Kreis auf einem niedrigeren Niveau als in der Stadt Frankfurt am Main.
Die Anzeigen auf Kurzarbeit bewegen sich weiterhin auf einem niedrigen Niveau. Im Juni 2022 wurden im IHK-Bezirk 12 betriebliche Anzeigen auf konjunkturelle Kurzarbeit mit insgesamt 272 darin enthaltenen Beschäftigten bei den Arbeitsagenturen aufgegeben. Von den Höhen im Frühjahr 2020 sind die aktuellen Zahlen der Kurzarbeit sehr weit entfernt. Zum Vergleich: Im April 2020 waren es 11.294 Anzeigen mit insgesamt 146.862 darin enthaltenen Beschäftigten.
Der Erholungskurs am regionalen Arbeitsmarkt wird damit nur kurzfristig unterbrochen. Der Anstieg ist im Wesentlichen auf den Rechtskreiswechsel der Geflüchteten aus der Ukraine vom Asylbewerberleistungsgesetz in die Grundsicherung zurückzuführen. Wichtig sind die anhaltenden Rückgänge der Zahl der Arbeitslosen gegenüber dem Vorjahr und die Anfang des Jahres vollzogenen Lockerungen von den letzten Corona-Beschränkungen. Laut der Konjunkturumfrage zum Frühsommer 2022 (Ende der Befragung: 5. Mai 2022) haben sie nun auch dem Gastgewerbe – der als letzte noch stark betroffenen Branche – zu einer Verbesserung der Geschäftslage verholfen. Insgesamt verbleibt diese Branche allerdings in einem noch negativen Marktumfeld. Alle anderen befragten Branchen – besonders die Industrie und das Baugewerbe – bekommen die Auswirkungen des Ukraine-Krieges zu spüren. Der Geschäftsklimaindex geht dort zurück. Allerdings sind die Rückgänge nicht mit denen während des ersten Corona-Lockdowns im Frühsommer 2020 zu vergleichen. Zudem bewegt sich die Gesamtwirtschaft mit einem Geschäftsklimaindex von 101 Punkten noch in einem neutralen Marktumfeld. In jedem Fall hat die wirtschaftliche Erholung in der Region durch den Krieg einen empfindlichen Dämpfer bekommen.
Fazit
Die Arbeitslosigkeit befindet sich noch oberhalb des Vorkrisenniveaus. Seit Mitte 2021 lassen sich jedoch durchgängig deutliche Rückgänge gegenüber den Vorjahresmonaten feststellen. Die krisenbedingte Arbeitslosigkeit wird nach und nach abgebaut. Inwieweit sich diese Entwicklung fortsetzt, hängt von der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung im Jahr 2022 ab. Der aktuelle Anstieg der Arbeitslosenzahlen ist auf den Rechtkreiswechsel der Geflüchteten aus der Ukraine vom Asylbewerberleistungsgesetz in die Grundsicherung zurückzuführen. Ein nachhaltig negativer Effekt auf den regionalen Arbeitsmarkt ist davon nicht zu erwarten.
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