Konjunkturumfrage im IHK-Bezirk Frankfurt am Main zum Jahresbeginn 2022


28. Januar
Wirtschaft in Wartestellung
Die Stimmung unter den Mitgliedsunternehmen im IHK-Bezirk Frankfurt am Main erfährt zum Jahresbeginn 2022 einen leichten Dämpfer. Der IHK-Geschäftsklimaindex sinkt gegenüber der Vorumfrage im Herbst 2021 um drei auf 113 Punkte. Dies liegt an den geringfügig gesunkenen Geschäftserwartungen. Nur noch 25 Prozent der Unternehmen blicken optimistisch in die Zukunft und nunmehr 16 Prozent bewerten die künftige Entwicklung pessimistisch. Der Erwartungssaldo sinkt um vier auf neun Punkte. Die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage hingegen ändert sich gegenüber der Vorumfrage in Summe nicht. 37 Prozent der Unternehmen bezeichnen die aktuelle Geschäftslage als gut und 19 Prozent als schlecht, der Lagesaldo liegt unverändert bei 18 Punkten. „Die regionale Wirtschaft befindet sich derzeit in Wartestellung und hofft auf eine baldige Entspannung der Infektionslage und damit verbundene Lockerungen. Parallel werden viele Unternehmen durch Lieferengpässe und zum Teil deutliche Preissteigerungen im Bereich der Vorprodukte, Rohstoffe, Waren und Energie belastet“, sagte Ulrich Caspar, Präsident der IHK Frankfurt am Main, anlässlich der Veröffentlichung der Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage.
Zwar beurteilt die Gesamtheit der Unternehmen die aktuelle Lage trotz der vorherrschenden Unwägbarkeiten hinsichtlich der weiteren Entwicklung der Pandemie, der Preise und der Lieferengpässe weiterhin positiv. Zwischen den einzelnen Branchen gibt es aber große Unterschiede. So verschlechtert sich im Zuge der derzeit geltenden Zugangsregeln bei 2G-Plus die Stimmung insbesondere im Gastgewerbe. 85 Prozent der Betriebe geben hier eine schlechte Geschäftslage an. Ähnlich ist es in der Reise- und Veranstaltungsbranche sowie im Bereich der Kunst, Unterhaltung und Erholung. Sehr gut ist die Lage weiterhin in der Finanz-, Kredit- und Versicherungswirtschaft. Auch in der Industrie ist die Lage trotz steigender Energiekosten und Lieferengpässen weiterhin gut, wenngleich nicht mehr ganz auf dem hohen Niveau der Vorumfrage.
Mit 52 Prozent bewerten die meisten Unternehmen den Mangel an Fachkräften mittlerweile wieder als das größte Geschäftsrisiko. Die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen folgen mit 51 Prozent knapp dahinter. In einer abnehmenden Inlandsnachfrage sehen 44 Prozent der Betriebe ein Risiko. Für 42 Prozent der Unternehmen stellen mittlerweile zu hohe Energie- und Rohstoffpreise ein Risiko dar. Das ist der höchste Wert seit der Erstbefragung im Jahr 2010. In der Industrie stellt dieses Risiko mit 75 Prozent sogar die mit Abstand größte Gefahr dar. Bei mehr als jedem fünften Betrieb sind die Auswirkungen der hohen Kosten und Lieferprobleme so gravierend, dass die Produktion reduziert oder sogar gestoppt werden muss. 79 Prozent der Industriebetriebe geben zudem an, dass sie in einem erheblichen Umfang von Preissteigerungen betroffen sind. Nur jeder zwanzigste Betrieb ist nicht von Preissteigerungen betroffen. Auch das Baugewerbe und der Handel sind stark von Preissteigerungen von Vorprodukten, Rohstoffen, Waren und Energie sowie von Lieferengpässen betroffen, die auch hier zu Umsatzeinbußen und längeren Wartezeiten führen.
„Es ist Zeit für weitere Erleichterungen im Unternehmensalltag, damit der Wirtschaftsmotor wieder rund läuft. Dazu zählt, dass die Politik Maßnahmen einleitet, um die Energiekosten auf ein wettbewerbsfähiges Niveau zu senken. Den Unternehmen sollte zudem geholfen werden, indem der bürokratische Aufwand und die damit einhergehenden Kosten reduziert werden“, fordert Caspar. In Hinblick auf die Corona-Pandemie sind schnelle und unkomplizierte Erleichterungen vor allem für die weiterhin stark betroffenen Branchen notwendig. „Viele Betriebe befinden sich weiterhin in einer existenzbedrohenden Lage. Daher sollten beispielsweise im Gastgewerbe die Corona- Zutrittsbeschränkungen gelockert werden und für Planungssicherheit bei der Überbrückungshilfe IV gesorgt werden“, so Caspar abschließend.
Zum Hintergrund: Die IHK Frankfurt am Main befragt dreimal jährlich rund 3.000 Mitgliedsunternehmen im Hochtaunus- und Main-Taunus-Kreis sowie in der Stadt Frankfurt am Main zur aktuellen Lage und ihren Erwartungen hinsichtlich der konjunkturellen Entwicklung. Die aktuelle Umfrage wurde im Zeitraum vom 4. bis zum 24. Januar 2022 durchgeführt. Weitere Ergebnisse, auch aus den einzelnen Branchen, werden im Konjunkturbericht der IHK Frankfurt am Main erläutert, der Anfang Februar veröffentlicht wird.