Industrie-Konjunktur in Hessen

Der Geschäftsklimaindex in der Industrie verdeutlicht die Einschätzung der Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes in Hessen zur konjunkturellen Entwicklung.
Handelskrieg gefährdet Industriestandort Hessen
Mehr als die Hälfte des Umsatzes hessischer Industrieunternehmen geht in das Ausland: Zentrale Erfolgsfaktoren für den heimischen Wirtschaftsstandort waren in der Vergangenheit konkurrenzfähige Produkte und ein offener Weltmarkt, auf dem die Produkte angeboten werden. Beide Erfolgsfaktoren sind derzeit stark gefährdet. Anfang Februar 2025 verhängte die neue US-Administration unter Donald Trump Einfuhrzölle gegen das Nachbarland und engen Verbündeten Kanada in Höhe von 25 Prozent sowie gegenüber China in Höhe von zehn Prozent. Beide Staaten haben bereits umfassende Gegenmaßnahmen angekündigt. Für die Einfuhrzölle mexikanischer Waren wurde zunächst ein Aufschub gewährt. Neben einer Abkehr vom Freihandel zur Reduzierung des US-amerikanischen Handelsdefizits gefährden auch neue geopolitische Risiken den Welthandel. Dazu gehören beispielsweise die Vorschläge Trumps zur Deportation von Millionen Palästinensern in arabische Nachbarländer, um aus dem Gaza-Streifen ein Ferienparadies unter amerikanischer Kontrolle zu errichten, die Androhung gegenüber dem Nato-Verbündeten und EU-Mitgliedsland Dänemark, sich Grönland anzueignen oder die Annexion Kanadas als 51. Bundesstaat. So absurd diese Vorhaben auch klingen mögen; sie bergen erheblichen geopolitischen Sprengstoff mit möglichen massiven negativen ökonomischen Auswirkungen auf die hessische Industrie.
Nachlassende Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Industrie
Doch auch die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Wirtschaft hat in den letzten Jahren nachgelassen; im internationalen Vergleich schneidet der Wirtschaftsstandort Deutschland immer schlechter ab. Die anhaltend schwache wirtschaftliche Entwicklung ist insbesondere auf den Rückgang der Produktion und Wertschöpfung in der Industrie zurückzuführen. Dabei deutet die zunehmende Abkopplung des Industriesektors in Deutschland von der Weltwirtschaft darauf hin, dass es für die Wirtschaftsschwäche nicht nur konjunkturelle, sondern auch strukturelle Gründe gibt. Aus Sicht der hessischen Industrie bestehen die strukturellen Defizite vor allem in schlechten allgemeinen Rahmenbedingungen wie den starken bürokratischen Hemmnissen und hoher Steuerlast sowie die im internationalen Vergleich überdurchschnittlichen Energie- und Arbeitskosten. Rund 60 Prozent der Industrieunternehmen in Hessen sehen in diesen Faktoren jeweils eines der Hauptrisiken für die weitere wirtschaftliche Entwicklung (Mehrfachnennungen waren möglich).
Hessische Industrie auch zum Jahresanfang 2025 in der Rezession
Die Stimmung in der hessischen Industrie ist auch zum Jahresbeginn 2025 schlecht. Der IHK-Geschäftsklimaindex notiert mit 80 Punkten auf sehr niedrigem Niveau. Aktuell beurteilen 32 Prozent der Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes ihre Geschäftslage als „schlecht“ und lediglich 13 Prozent als „gut“ (55 Prozent als „befriedigend“). Das Auftragsvolumen aus dem In- und Ausland hat sich zum Jahresanfang nochmals abgeschwächt – und für die kommenden Monate ist keine Besserung in Sicht. Im Gegenteil: Jeder dritte Industriebetrieb erwartet eine noch ungünstigere Entwicklung der Geschäftslage, lediglich 13 Prozent eine Verbesserung. Aus Sicht der Unternehmen ist die schwache Binnenkonjunktur eine besondere Herausforderung. 70 Prozent der hessischen Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes geben die Inlandsnachfrage als Hauptrisiko für die weitere wirtschaftliche Entwicklung an. Hinzu kommt aber auch eine zurückgehende Nachfrage aus dem Ausland. Der IHK-Indikator für die Exporterwartungen notiert mit minus 19 Punkten deutlich im negativen Bereich.
Deutlicher Beschäftigungsabbau in der hessischen Industrie zu befürchten
Anlass zur Sorge geben die Beschäftigungspläne der Unternehmen. Inzwischen möchten 29 Prozent der Betriebe des verarbeitenden Gewerbes in Hessen Arbeitsplätze abbauen; lediglich acht Prozent neue Stellen schaffen. Mit Ausnahme der Pharmaindustrie ist in allen Industriezweigen in den kommenden Monaten mit einem Rückgang der Arbeitsplätze zu rechnen; besonders ausgeprägt dürfte dieser Beschäftigungsabbau im Fahrzeugbau ausfallen.

Industrie | Hessen | IHK-Indikatoren

IHK-Indikatoren
Okt 2024
(2024-III)
Jan 2025
(2025-I)
Veränderung
Auftragseingänge Inland
-43
-34
+9
Auftragseingänge Ausland
-42
-26
+16
Geschäftslage
-26
-19
+7
Geschäftserwartungen
-22
-20
+2
Exporterwartungen
-23
-19
+4
Investitionsvolumen
-32
-25
+7
Beschäftigung
-22
-21
+1

Industrie | Hessen | Diagramme

Industrie | Hessen | Trendprognose für die nächsten 6 Monate


Produktion

Investitions-
volumen

Beschäftigung

Export
sinkend sinkend sinkend sinkend